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Entlang der Usinger Grenze

KRANSBERG - Bei strahlendem Sonnenschein ging am Samstag der traditionelle Grenzgang unter reger Beteiligung über die Bühne. Revierförster Karl-Matthias Groß und seine Kollegin Sigrid Büschken hatten einiges vorbereitet, um den Wanderern das Gebiet rund um Kransberg näherzubringen. Wer erwartet hatte, dass Groß wieder in seiner historischen Uniform zum Grenzgang erscheint, wurde enttäuscht. In "normaler Dienstkleidung" war er erschienen, hatte aber wieder sein Jagdhorn mit dabei. Und mit diesem begrüßte er die Gäste mit einem Jagdsignal, das er auf alten Notenblättern aus dem Jahr 1820 gefunden hatte. Groß, der auch schon in mittelalterlicher Gewandung, also mit Tunika, Bundschuhen und Robin-Hood-Hut samt Fasanenfeder Veranstaltungen begleitet hatte, stieß also kräftig in das Horn, was Bürgermeister Steffen Wernard zu der Bemerkung hinriss, dass glücklicherweise niemand mehr einen Kanonenschuss vom Schloss herunter ins Tal zu befürchten habe.

Der Verwaltungschef hatte natürlich den Familienhund mit zur Wanderung gebracht - und der freute sich sichtlich über den schönen Ausflug, den Herrchen ihm da präsentierte. Sieben Kilometer, nicht viel, wenn die Grenzen der ehemaligen Residenzstadt abgelaufen werden sollen, aber es ging ja auch nicht darum, viel Strecke zu machen, sondern den Teilnehmern nahezubringen, was in Sachen Forst wichtig ist.

Wechselhafte Geschichte

Vom Bürgerhaus aus ging es erst einmal hoch zum Schloss, wo Groß so einiges zu berichten hatte. So ließ er die wechselhafte Geschichte des Kransberger Wahrzeichens Revue passieren und berichtete, dass hier in Kransberg einst Nägel geschmiedet wurden. Dazu benötigten die Handwerker Holzkohle und die wurde aus den nahe liegenden Bäumen hergestellt. Dafür wurde der Wald in Kransberg niedrig gehalten. Dies sei übrigens etwas, was auch jetzt wieder als Teil einer Art historischer Waldbewirtschaftung in Angriff genommen wurde. Hier verwies er auch auf die auf den Stock gesetzten Ahornbäume. Ein wenig karg kämen sie unterhalb des Schlosses daher, aber aus Sicherheitsgründen sei diese Maßnahme wichtig gewesen.

Dann zeigte er auf die Fichten, die mit 50 Metern in den Himmel ragten und erläuterte, dass Fichten aufgrund ihres hohen Wuchses im heimischen Garten eher nicht angepflanzt werden sollten.

An der Hainbuchenallee machte er wieder Halt. Zuvor hatte er auf den Staatswald und einen privaten Waldbesitz aufmerksam gemacht. Die Allee sei mit dem Bau der Kapelle um 1700 angelegt worden. Damit die Bäume keinen Schaden nehmen, wurden sie regelmäßig beschnitten - zuletzt im Jahr 2014. Er sagte, dass diese keineswegs tot seien, sondern kräftig ausschlagen.

Am Dreiländereck gab es eine Frühstückspause und die Chance, sich über die Esskastanie zu informieren. Für die Versorgung, auch bei der Abschlussrast im Wilhelmjsalon, war die Freiwillige Feuerwehr Usingen zuständig, die nach dem Grenzgang auch den Rücktransport nach Kransberg für jene organisierte, die ihr Auto am Bürgerhaus abgestellt hatten.

Bei der Zeibornerheck verwies Groß auf die Wildkatze und ihre Lebensgewohnheiten, die er als äußerst scheu und als Einzelgänger lebend schilderte. Im Rollbachtal war der Lurch des Jahres, der Grasfrosch, Thema seiner Ausführungen. Insgesamt vermittelte Groß, der seiner eigenen Aussage nach als Förster immer "mit der Vergangenheit konfrontiert wird, weil die Bäume ja vor Jahrzehnten gepflanzt wurden", den Teilnehmern ein gutes Bild über den Forst rings um Kransberg und Umgebung und betonte dazu, dass sich Naturschutz und Holznutzung nicht ausschließen. Mithilfe einer naturnahen Waldwirtschaft werde ein abwechslungsreicher Wald gestaltet, der einer Vielzahl von Lebewesen das Überleben sichere.

BU: Interessierte Teilnehmer beim Grenzgang der Stadt Usingen. Foto: Jung

Datum: 16.04.2018
Autor: Christina Jung
Quelle: Usinger Anzeiger
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