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Der Schloßgarten Usingen

Geschichte der Stadt Usingen
Geschichte der Stadt Usingen Geschichte der Stadt Usingen
Der Schloßgarten in Usingen ist aus einem weitläufigen Areal der Schloßanlage des Fürstenhauses Nassau-Usingen hervorgegangen. Fürst Walrad begann im 17. Jahrhundert den Garten zu erweitern und im Stil der zeit neu anzulegen. Von einem holländischen Entwerfer namens C. Elandt ist ein Plan erhalten, der die Grundstrukturen bereits wiedergibt und zu denen die Hainbuchenalleen an der Westseite des Geländes gehören. Auch eine Teilterrassierung ist auf dem erhaltenen Plan bereits zu erkennen. Es handelt sich um eine annähernd quadratische Terrasse zwischen Schulhofplateau und dem Plateau der alten Sporthalle.

Im frühen 18. Jahrhundert wurde wohl unter der Regentschaft von Fürstin Charlotte Amalie eine Neugestaltung vorgenommen. Als Urheber dieser neuen Anlage gilt der berühmte Barockbaumeister Maximilian von Welsch. Welsch ist in einem Atemzug zu nennen mit den österreichischen Baumeistern des Barock Fischer von Erlach und Lukas von Hildebrandt sowie Balthasar Neumann, der berühmte Architekt des Main-Fränkischen Barock. Welsch baute für die Fürstbischöfe in Mainz und Würzburg und darüber hinaus war er Ratgeber für zahllose höfische Bauherren.

Welschs Planung für den Usinger Schloßgarten sah eine fünfterrassige Anlage vor, die zu beiden Seiten mit Alleen eingerahmt wurde, wobei er auf die Anfänge Elandts zurückgreifen konnte. Unterhalb der untersten Terrasse schloss sich ein Nutzgarten an.

Die oberste Terrasse wurde in der Tradition der Renaissancegärten als Lustgarten gestaltet, an seiner Nordostrecke stand ein Lustpavillon, der auch als chinesischer Pavillon bezeichnet wurde. Die Mitte des Lustgartens nahm ein Teich mit einer zentralen Insel ein. Um ihn herum schlängelten sich zahlreiche Wege. Die Eibe ist einer der zu dieser Zeit vorherrschenden Bäume gewesen. Noch heute ist ein umfangreicher Eibenbestand dort vorhanden. Im Lustgarten stand auch eine Eremitage.

Die zweite Terrasse, die heutige Sportplatzterrasse, war als barocker Ziergarten gestaltet mit geometrisch angelegten Wegen, Bosketten und Ziergehölzern. Sicherlich zierten auch Gartenskulpturen diese Terrasse. An der hohen Stützmauer zur oberen Terrasse stand eine Orangerie, deren Aussehen durch Entwürfe bekannt ist. Die Mauer war außerdem mit Wein- und Obstspalier bepflanzt.

Die mittlere schmale Terrasse, spätere Laufbahn, war ein Verbindungsweg von der Stadt- zur Feldseite und wird in alten Plänen als "Kommunikationsweg" bezeichnet. Er führte durch das sogenannte "Rote Tor".

Auch das Parterre der alten Sporthalle war ein üppiger barocker Ziergarten, vorwiegend mit Blumenbeeten, ebenso die Schloßterrasse, die den Schloßbewohnern einen reizvollen Ausblick bot.

Unterhalb der letzten Stützmauer, die den heutigen Parkplatz nach Norden einfasst, lag der Nutzgarten mit Gärtnerhäusern, Gewächshäusern und Wirtschaftseinrichtungen.

Unmittelbar an der Ostseite der Schloßgarteneinfriedigung lagen herrschaftliche Obstwiesen. Sie reichten bis zu der von Prinz Friedrich August, dem späteren Herzog, angelegten Pappelallee. Nach dem Verschwinden der Pappeln und aufgrund der Apfelbaumwiesen wurde sie im Volksmund dann "Äppelallee" genannt.

Im Westen gehörte ursprünglich ebenfalls eine Wiese zum Schloßgartenareal, die bis zur alten Stadtmauer reichte. Sie wurde im 19. Jahrhundert den stadtseitig gelegenen Hofreiten zugeschlagen. die Eigentümer der Hofreiten mussten die heute noch erhaltenen Mauern errichten.


Quelle: Geschichtsverein Usingen, Frank Saltenberger